Digitalisierung im Pfadfinderalltag

Erschienen am 11. März 2017 in Öffentlichkeitsarbeit

Jonas Riegel

Jonas Riegel aus Augsburg ist Fachreferent für Öffentlichkeitsarbeit und kümmert sich auf Diözesanebene um Website, Social Media und Außenwirkung.

 


Die einen lieben das neueste digitale Zeug während die anderen lieber analog bleiben wollen. Kommt euch das bekannt vor? Im Kamingespräch unseres Diözesanarbeitskreises der Pfadfinderstufe sammeln sich einige typische Fragestellungen…


Kommunikation – analog oder digital?

Egal ob Öffentlichkeitsarbeit, Leiterwerbung, Werbung für eure Veranstaltungen oder das Zusammenarbeiten in den Leitungsteams oder der ganzen Leiterrunde: Weil die Digitalisierung Einzug in alle Lebenswelten hält, müssen im Ehrenamt immer wieder neue Formen der Kommunikation reflektiert und angewendet werden. Heute machen wir eben Flyer und eine Facebook-Veranstaltung, wenn wir eine Veranstaltung unserer Stämme bewerben möchten. Wir treffen uns immer noch in unseren Jugendräumen für eine Leiterrunde, haben aber auch WhatsApp oder Telegram-Gruppen, um uns abzusprechen. Wir scrollen uns durch Hashtag-Feeds auf Instagram, wenn wir Ideen für unser nächstes Pfadfinder-Abenteuer suchen – das ersetzt aber noch lange nicht die Erzählungen am Lagerfeuer.

Generell gilt: Die Mischung macht’s! Wer mehr über Medien verstehen möchte, Stoff zum Hinterfragen braucht oder ein paar Richtungsweiser benötigt, für den sind die Seiten unseres Bundesverbands zur Jahresaktion „SmartScout“ von 2013 hilfreich.

Apropos Jahresaktion: Es macht auf jeden Fall Sinn, sich einmal im Jahr Gedanken darüber zu machen, ob die Kommunikationsformen im Stamm, in den Teams und in den Gruppen noch zeitgemäß sind, ob man vielleicht mal neue Dinge probieren möchte oder ob man an manchen Stellen doch lieber wieder analoge Wege geht.


Muss man sich digitalisieren?

Ob man seinen Kalender digital oder analog führt, das entscheidet natürlich jeder für sich selbst! Wirklich? Denn manchmal ist es bereits für sehr viele Menschen um uns herum Gewohnheit geworden, bestimmte Dinge nur noch digital zu machen. Da kann man sich schon mal wie ein Außenseiter vorkommen, wenn man lieber Oldschool bleibt – oder man entscheidet sich dann doch irgendwann dafür, ein Stück digitaler zu werden. Außerdem wird einem manchmal ja auch gar keine Wahl mehr gelassen… was dann?

Um solche Zugzwänge zu vermeiden, achten wir auf Diözesanebene darauf, dass auf jeden Fall immer alle wichtigen Informationen und Ankündigungen auf den Kanälen zugänglich gemacht werden, die jeder erreichen kann. So findet ihr zum Beispiel alle wichtigen Ankündigungen auf der Startseite unserer Website! Erst danach verteilen wir die Infos noch auf Plattformen wie Facebook, bei denen zwar nicht jeder einen Account hat, aber wir einen wichtigen Teil unserer Zielgruppe erreichen. Ziel soll es immer sein, so wenige Ausschließlichkeiten wie möglich zu schaffen.

Wenn es aber doch alles so viel einfacher machen würde, würde XY sich auch noch bei ABC anmelden!

Die einen bleiben lieber analog, weil Sie im Umgang mit Computern noch nicht so viel Erfahrung haben oder Angst haben, Fehler zu machen. Die anderen entscheiden sich aufgrund von berechtigten Bedenken über ihre Sicherheit und Datenschutz bewusst dagegen. Die nächsten finden, dass beim Schreiben in Chats immer so viele Missverständnisse passieren. Gute Gründe gibt es viele, nicht gleich auf jeden digitalen Trend aufzuspringen. Wichtig ist, dass wir gemeinsam über unsere Bedürfnisse sprechen und bewusste Entscheidungen treffen, um niemanden mit unseren Formen der Kommunikation auszuschließen, selbst wenn sich dieser komplett aus der digitalen Welt raushalten möchte.


WhatsApp, Snapchat, Instagram und Co – Medienformate aus dem Neuland!

Viele der neuen Medienformate beginnen entweder aus Spaß oder aus Faulheit. Und das ist nicht verkehrt, denn warum sollte es keinen Spaß machen, mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren? Und wenn das ganze dann auch noch viel einfacher und unkomplizierter funktioniert als vorher, dann wird aus der Faulheit plötzlich Nützlichkeit!

Ein reflektierter Umgang mit neuen Medien bedeutet genauso Neues zu Erforschen wie auch über Risiken zu informieren. Es werden Grenzen ausgetestet und Fehler gemacht – das fängt im Jahr 2017 bereits im Wölflingsalter an!  Daher ist es wichtig – selbst wenn man sich selbst bewusst gegen manches Medienformat entscheidet – sich als Leiter und Leiterin mit dem Medienverhalten der Kinder auseinanderzusetzen. Hierzu gibt es unter dem Stichwort Medienpädagogik wieder Unterstützung vom Bundesverband!


Smartphone auf dem Lager?

Ja klar! Wie im Video auch schon erwähnt, ist es dabei wichtig, ein bestimmtes Maß für die Handynutzung zu finden. Am besten ihr besprecht die Umgangsformen, die ihr euch von euren Gruppen und Mitpfadfindern diesbezüglich wünscht oder welche die Lagerregeln von euch erwarten, bereits im Vorhinein!

Das Handy-Verbot: Es tut auch richtig gut, das Ding mal für 2 oder mehr Tage wegzusperren – vielleicht ist es ja auch eine besondere Herausforderung für die ein oder anderen, die sich sonst davon nicht losreißen lassen. Generell ist eine Entschleunigung vom Alltag und den schnelllebigen Medienwelten eine willkommene Abwechslung, die man bewusst anstreben kann und die bei den Pfadfindern gut aufgehoben ist.

Denn: Langweilig wird’s selten! Und wenn die Langeweile doch mal da ist, dann ist es eben mal etwas – wichtiges – Anderes, die Zeit nicht mit dem Smartphone zu überbrücken, sondern sich einfach mal zu langweilen und zu lernen, nichts zu tun. Sollte die Langeweile überhand nehmen, dann fördert es die Kreativität, wenn man sich außerhalb des Zelts eine Beschäftigung suchen muss.

Natürlich soll sich jedes Kind bei seinen Eltern melden dürfen, um einfach nur „Es geht mir gut!“ zu berichten oder wenn beim Heimweh nichts mehr hilft… Dafür und für einen hoffentlich nicht eintretenden Notfall hat der Leiter oder die Leiterin ein Mobiltelefon parat. Andersrum ist ein Pfadfinderlager aus der Perspektive der Kinder und Jugendlichen auch ein vor der elterlichen Überwachung geschützter Rahmen, der durch eine Einschränkung der Handynutzung eingehalten wird.

Rundum das Thema Smartphones ist auch unsere Aufsichtspflicht als Gruppenleiter nicht zu vernachlässigen. Denn mit den neuen digitalen Möglichkeiten kommen auch neue Formen von Handlungen ins Spiel, die Kindern und Jugendlichen Schaden zufügen können, wie zum Beispiel Cybermobbing. Hier gilt das Gebot der Belehrung, der Überwachung, des Verbots und des Unmöglichmachens der sogenannten schadensgeneigten Handlungen. Wenn uns also unter unserer Aufsicht solche schädlichen Dinge auffallen, sind wir in letzter Konsequenz sogar dazu verpflichtet, das Handy-Verbot durch Wegnehmen durchzusetzen.


Welche digitalen Werkzeuge können uns denn helfen?

In eurer Leiterausbildung werden euch viele analoge Methoden über den Weg laufen, um als Team zusammenzuarbeiten. Auch darauf hat die Digitalisierung ihren Einfluss und abgesehen von eurer digitalen Kommunikation als Team gibt es noch unzählige weitere Möglichkeiten, sich digitale Dienste bei der Arbeit im Ehrenamt zu Nutze zu machen. Ein Stichwort hierzu ist ePartizipation, unter welchem allgemein die digitale Unterstützung von Prozessen zur Entscheidungsfindung verstanden wird. Zusätzlich zur Entscheidungsfindung finden sich online, um nur einige Beispiele zu nennen, Werkzeuge zum gemeinsamen und teils auch gleichzeitigen Erstellen von Dokumenten, Brainstormings, Präsentationen, Videokonferenzen, Dateiablagen, Terminfindungen und so weiter. Eine tolle Übersicht gibt euch der Medienpädagogik-Praxisblog!


Egal ob digital oder analog, unser Verband lebt den Wandel und die Vielfältigkeit. Wenn ihr also mal wieder auf einen Konflikt stößt, bei der die Digitalisierung des Pfadfinderalltags im Mittelpunkt steht, dann ist das der beste Beweis dafür!

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